Tales of protest. A necessity.
Eine 5-Kanal-Videoinstallation (á 5'57'')
Serbisch mit serbisch-kyrillischem Text und englischen Untertiteln
2009
Im November 2008 verbrachte ich ein Monat im Rahmen einer Artist-in-Residence in Belgrad (Galerija Kontekst in Kollaboration mit <rotor>/A). Ich beschäftigte mich mit dem ArbeiterInnenkampf in Zrenjanin. Die ArbeiterInnen von Jugoremedija kämpften 2 Jahre um ihre Fabrik und gegen die Privatisierung ihres Arbeitsplatzes. Sie lebten teilweise in der Fabrik, besetzten für 4 Monate das Rathaus von Zrenjanin, protestierten 3 Tage und Nächte vor der Agentur für Privatisierung in Belgrad, wurden von der Polizei und den privaten Sicherheitsbeamten geschlagen, verletzt und eingesperrt. In diese 2 Jahre erhielten die ArbeiterInnen kein Gehalt und viele wurden von ihren Familien in Stich gelassen. Seit 2006 ist Jugoremedija die erste Fabrik innerhalb der Länder in Osteuropa, die sich in “Transition“ befinden und neoliberale Privatisierungen durchmachen, die von ihren ArbeiterInnen zurückerkämpft und kontrolliert wird.
Sommer 2009 kam ich wieder nach Belgrad, um mich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen und erfuhr, dass allein in August 40 kleiner und grössere Proteste pro Tag stattfanden. Basierend auf dieser Recherche und den Interviews mit den ArbeiterInnen (hauptsächlich von der Fabrik Jugoremedija) entwickelte ich “Tales of protest. A necessity.“: Fiktionalisierte Personen erzählen ihre Geschichten und Textausschnitte dieser werden Footage aus Sergei Einsensteins Stummfilm “Strike“ gegenübergestellt.
Der Film “Strike“ (1925) ist eine komplexe Re-kreierung der Entwicklungen eines Streiks in einer Fabrik im vorrevolutionären Russland (1921). Die ArbeiterInnen wurde von der Theatergruppe Proletkult Theatre gespielt. Mein Interesse an diesem Film liegt in jenen Szenen, die Kollektivismus zeigen und sie somit in Opposition zum Individualismus jeder der 5 Geschichte (Milenka – Protesting, Bogdan – Fighting, Nina – Demanding., Zolt – Screaming., Zoran – Fighting.) gebracht werden. Diese 5 Stimmen erzeugen ein Murmeln, dem man nur folgen kann, wenn man sich auf eine einzelne von ihnen konzentriert.
Die Gespräche mit den ArbeiterInnen und das vor Ort erleben der Proteste (vor der Privatisierungsbehörde und des Parlaments in Belgrade) haben mich veranlasst meine Postition als Künstlerin und meine Rolle im Festlegen und Repräsentieren des ArbeiterInnenkampfes zu hinterfragen: Für was kämpfe ich? Lass ich alles mit mir machen?
Installationansicht in der Galerie 5020 (A)
Konzept, Tonaufnahmen und Schnitt: Nina Höchtl
SprecherInnen: Gordana Tasic (Milenka), Nenad Gvozdenovi (Bogdan),
Iva Markovic (Nina), Slavoljub Novakovic (Zolt), Ivan Nikolic (Zoran)
Footage: Stachka (1924) by Sergei M. Eisenstein
Übersetzung ins Serbische: Tamara Naunovic
Proof editing of English: Nenad Jovanovic
Thanks to Marko Miletic, Rajko Petrovic, Milan Sreckoviç, Milenko Sreckoviç,
Mirjana Boba Stojadinovic, Szabolcs Tolnai, Ivan Zlatic, www.freedomfight.net/,
Galerija KONTEKST, <rotor> Margarethe Makovec, Anton Lederer
Special thanks to the workers of Jugoremedija in Zrenjanin without them this project wouldn’t have been possible.
Förderung: Austrian Cultural Forum – Belgrade.
Die Installation wurde im CZKD, organisiert von Kontekst Galerija, in Belgrad 2009 präsentiert und sie war Teil der Ausstellungen "RE: EX-POST, Critical Knowledge and the Post-Yugoslavian Condition" kuratiert von Luisa Ziaja, OPEN SPACE in Wien und „entsprechend PREKÄR“ in der Galerie 5020 in Salzburg, 2010.
| I'm Milenka - Protesting. | I'm Bogdan - Fighting. | I'm Nina - Demanding. | I'm Zolt - Screaming. | I'm Zoran - Striking. |